140km bis nach Mariazell

Per pedes nach Mariazell

140 km. Vier Tage. 19 Fotos.

Die nachfolgend Texte und Abbildungen sollen unseren Fußweg zum wohl bedeutendsten Wallfahrtsort Österreichs, Mariazell, festhalten.
Für viele war es die erste Pilgerreise und wird wohl auch noch länger in Erinnerung bleiben. Unsere Reise begann zu Fronleichnam bei herrlichem Sonnenaufgang und endete vier Tage später in der Basilika von Mariazell.  Dazwischen überwanden wir endlose Flachstücke und bestiegen imposante Berge. An dem einem Tag zeigte die Sonne all ihr Können und schon am nächsten spürte man auf Grund von Dauerregen bereits Schwimmhäute zwischen den Zehen und Fingern.

That’s the way to Mariazell!

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Der frühe Vogel und so…

… konnte uns um bereits um 4:45 antreffen – für die meisten der Albtraum! Noch einem kurzer Reisesegen und dann war es auch schon so weit. Abmarsch war um 5:00. Bekanntlich hat ja Morgenstund Gold im Munde und so entschädigte der traumhafte Sonnenaufgang für das frühe Erwachen. Am ersten Tag warteten rd. 45 km quer durch das Nordburgenland und Wr. Neustadt bis hin nach Weikersdorf am Steinfelde auf uns.

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Wenn die Sonne zu deinem größten Gegner wird

Am morgen marschierten wir noch frohen Mutes gegen Westen. Die Temperaturen waren angenehm, die ersten Gemeinden ließen wir locker flockig hinter uns. Bereits um 11 Uhr kehrten wir in Pöttsching zum Mittagessen ein, um uns für die zweite Tageshälfte zu stärken. Ab diesen Zeitpunkt ließ die Sonne das Quecksilber im Thermometer rapide ansteigen, lies die Luft flimmern und trieb uns den Schweiß an die Stirn. Das Tempo verringert sich Schritt für Schritt – die Wasserflaschen mussten gefüllt werden u.a. auf Friedhöfen. Jede kurze Pause war bereits Gold wert.

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Am Limit

Als wir Wr. Neustadt erreichten gönnten wir uns eine längere Pause am Wr. Neustädter Kanal. Hitze + kühles Blondes = perfekte Stimmung! Am Hauptplatz genossen wir noch ein erfrischendes Eis. Das Tagesziel jetzt bereits vor Augen, noch etwas mehr als zwei Gehstunden entfernt, baute sich vor uns bereits eine gigantische, schwarze Wolkenwand auf.  Nachdem wir Wr. Neustadt sowie den angrenzenden Föhrenwald durchqueren, hatten wir endlich Weikersdorf vor uns. Der Wettergott meinte es auch gut mit uns und ließ den Himmel nicht weinen. Nach 45 km und einigen Blasen an so manchen Füßen war das Ende des ersten Tages erreicht.

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Am Fuße der Hohen Wand

Frisch und mu… ,ja – vor allem frisch starteten wir in den zweiten Tag. Bei angenehmen Temperaturen marschierten wird entlang der Hohen Wand durch das Steinfeld. In Gerasdorf, kurz vor den ersten Ausläufern der Alpen, trafen wir auf altbekannte Freunde – drei niedliche Esel.

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Als wir noch trocken waren

Von Gerasdorf aus erreichten wir zügig Würflach – die dunklen Wolken türmten sich bereits hinter dem kleinen Dorf. Die letzten Sonnenstrahlen versuchten noch, die nasse „Bedrohung“ zu durchbrechen – vergebens. Noch rechtzeitig erreichten wir das Schutzhaus der Johannesbachklamm. Keine zwei Augenblicke später  ließ uns ein gewaltiger Blitz samt ohrenbetäubendem Donner zusammen zucken. Es folgte ein Stark- und Dauerregen von knapp 90 Minuten. Wir sahen, wie der Weg im wahrsten Sinne des Wortes, davon schwamm.

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Nass und nässer

Um ca. 12 Uhr Mittags, der Regen wurde etwas weniger, die Gläser auf unseren Tischen dagegen deutlich mehr, machten wir uns wieder auf den Weg. Mit Regenmäntel und Ponchos ausgestattet, sahen wir die Ausmaße des Unwetters. Der Johannesbach war über die Ufer getreten, die „See“-Kühe suchten noch freie, nicht von Wasser bedeckte Flächen . Ganze fünf Stunden gingen wir im Regen – durch und durch nass. Erst während des Aufstieges auf die Mamauwiese wurde es wieder trocken. Um so härter der zweite Tag war, desto gemütlicher wurde es am Abend nach dem Essen.

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Traumhafter Morgen

Nach den Gewittern und Regenfällen vom Vortag war die Luft rein gewaschen.  Der Schneeberg zeigte sich von seiner schönsten Seite, die Sonne blitzte über die Bergkämme im Süden und ließen den imposanten Giganten glänzen. Über eine Alm mitsamt Kühen und einem kleinen Wäldchen ging es Richtung Schwarzau im Gebirge. Wie bereits am Vortag zogen ab Mittag wieder finstere Wolken auf.

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Am höchsten Punkt

Nach einer kurzen Pause bei der legendären Bacherlwirtin ging es für uns weiter. Der Himmel war nach wie vor Grau in Grau und immer wieder spürten wir einige Tropfen auf unserer Haut. Obwohl wir immer wieder finstere Blick gegen den Himmel richteten und hofften trocken zu bleiben, entdecken wir einige interessante Objekt oder wurden selbst beobachtet.  U.a. kamen wir an einer mysteriösen Villa vorbei oder zogen die Aufmerksamkeit so mancher Kuh auf uns.

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Die Gscheidlpasshöhe

Nach einer zähen und steilen Forststraße erfolgte der Einstieg in den vielbekannten „Gscheidlanstieg“. Links sowie rechts kann man unzählige (selbstgemachte) Gedenktafeln von vielen verschiedenen Gruppen, Familien oder Organisationen ausmachen. Bei so mancher Tafel bekam der eine oder andere sogar Gänsehaut. Oben angekommen brachten wir unsere eigene Tafel an. Nach einer „kurzen“ Pause gings dem Tagesziel, Frein an der Mürz, entgegen.

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Die letzten Kilometer

Der letzte Tag unserer Wallfahrt startete, wie die vorangegangenen Tage auch, mit einem Morgengebet. Anschließend ging es durch den Wald Richtung Schöneben, eine Anhöhe mit einigen alten Bauernhäusern. Immer wieder eine traumhafte Umgebung. Bis dahin lernten wir nicht nur einige Pilgergruppen sondern vor allem uns besser kennen.

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Am Ziel unserer Reise

Nach rd. 140km und vier Tagen erreichten wir „die Tore“ vor Mariazell. Am Ende unserer Reise voller Spaß, merkten wir aber auch schon die Strapazen der letzten Tage. Nach einem gemeinsamen Gruppenbild beim Hochzeitsbogen zogen wir gemeinsam in die Basilika ein. Nach einer Minute in Stille ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Mittagessen und einer abschließenden Gottesdienstfeier ausklingen.

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